12.07.2010
Die Südafrika-WG wird aufgelöst. Gleich geht der Flieger. Der Gastgeber sagt salani kahle. Was soviel heißt wie: Auf wiedersehen! Aber wird es das geben? Ich verspüre so etwas wie die Pflicht zurückzukehren. Nicht auf Geheiß von Sepp Blatter, der hat wahrlich genug befohlen. Aber Dinge müssen noch erledigt, noch zu Ende gebracht werden.
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12.07.2010
In China essen Sie Hunde. In Südafrika wird die einzige Highway-Zufahrt vor dem Finale für drei Stunden gesperrt. Für Staatsgäste und Promis. Was jetzt besser ist? Keine Ahnung. Gestern jedenfalls war die zweite Frage eine existenzielle. Bundespräsident Wulff hat sich derart lange im Glanz des Nationalteams gesonnt, dass die Zeit für uns knapp wurde. Wir haben uns ja gestern bei der Siegerehrung in Port Elizabeth gesorgt, ob ihn die deutschen Ballkünstler überhaupt kennen.
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02.07.2010
“One Fly” - der Billigflieger, mit dem ich gerade die 1200 Kilometer zwischen Johannesburg nach Kapstadt hinter mir gelassen habe, hat ein Problem: diesen unsäglichen Namen der Fluglinie. One time - das heißt so viel wie: Mit diesem Flugzeug fliegen sie genau einmal. Das zumindest hat funktioniert, aber am Sonntagmorgen, fliege ich mit der gleichen Linie zurück nach Johannesburg - mal sehen, was daraus wird. Der Flug nach Kapstadt ging heute Morgen um 7 Uhr, zwei Stunden Flugzeit, und schon bin ich der deutschen Mannschaft, die bereits am Donnerstag in die südafrikanische “Mutterstadt” geflogen ist, wieder ganz nah.
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02.07.2010
Schweinsteigers Frontalangriff hatte die Planung verändert. Auf ins argentinische Lager. 16.15 Uhr freies Training in Pretoria, vor der Haustür, danach Pressekonferenz. Das klingt gut, da winkt eine Geschichte. Das Protokoll: Bin um 16 Uhr da. Wann geht es los? Ich fühle mich dynamisch. Der argentinische Kollege lächelt mitleidig, sagt: “Vielleicht um 17 Uhr.” Vielleicht!
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21.06.2010
Ich muss auf eine Geschichte zurückkommen, die sich schon vor wenigen Tagen im deutschen Quartier ereignet hat. Adidas stellte den einheitlichen Bundesliga-Ball für die neue Saison im deutschen Lager vor, das Ganze war eine aufwändig gestaltete Pressekonferenz, in der mit teuren Utensilien eine spezielle Atmosphäre geschaffen wurde. Die Stühle im Pressezentrum des DFB am Hotel Velmore Grande sind eigentlich schwarz-rot-gold bezogen, der Sportartikelhersteller hatte sie eigens für die Präsentation des Balles mit weißen Laken übergehängt. Es wirkte “loungig”, wie man so sagt. Es wirkte kühl, wie ich sage. Der Ball heißt Torfabrik, und es wurde allerhand geredet über dieses runde Stück Leder, das wahrscheinlich ein Kunststoff ist. Aber natürlich der beste Kunststoff. Um es kurz zu sagen: Spieler wie Lukas Podolski und Thomas Müller mussten Sätze sagen wie: “Natürlich ist es ein toller Ball, es macht Spaß, damit zu spielen.” Auch ein Fußball-Profi hat manchmal ein trauriges Leben.
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18.06.2010
Ok, wir sind da. Rund eine halbe Stunde vor dem Spiel in Port Elizabeth sitze ich halbwegs gelassen im Media Center des Nelson Mandela Bay Stadions, das von einem Hamburger Architektenbüro ziemlich beeindruckend geplant und zur WM neu erschaffen wurde. Ein Jahr vor Beginn dieser WM war die Spielstätte fertig geworden - für südafrikanische Verhältnisse etwas früh, aber was soll’s. In diesem Stadion, das einen wundervollen Ausblick auf den North End Lake bietet, wird auch das Spiel um den dritten Platz ausgetragen, 42486 Zuschauer passen rein - und schwupps, sitze ich schon auf der Medientribüne.
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18.06.2010
Liebe Leser, heute sind wir das erste Mal an diesem Land gescheitert. Man hat sich ja vorher viele Gedanken gemacht, die Kälte, die Kriminalität und noch so viel mehr, aber bisher ist das ja alles ganz gut gegangen. Natürlich zermürben einen die Temperaturen, aber das soll ja spätestens ab Sonntag wieder besser werden. Und die Kriminalität hat hier in unserer Gegend, wenn man Herbergsmutter Anna-Marie glauben darf, kein wirkliches Zuhause. Vielleicht ist aber auch alles zu gut gelaufen bislang. Denn heute mussten wir kapitulieren. (mehr…)
17.06.2010
Natürlich hat Yun-Nam Ji im Süden Afrikas seinen Führer Kim Jong Il im Nordosten Asiens glücklich gemacht. Aber selbst ich aus der Mitte Europas habe in Johannesburg etwas vom Glanz des nordkoreanischen Tores gegen Brasilien abgefangen. Dieser späte Treffer, das 1:2, das mich auf der Tribüne im Ellis Park still in die völlig unangebrachte Sommerjacke jubeln ließ, hat mir fünf Punkte eingebracht. Achtung, liebe 37 Kollegen in der Heimatredaktion, ich führe! Ein WM-Tippspiel ist ein ausgesprochener Spaß, so etwas kann aber auch zu einer zähen Angelegenheit werden, wenn man – wie es mir stets in der deutschen Liga passiert – Spieltag für Spieltag falsch liegt. Und sich dem Hohn der wenig sportinteressierten Kollegen ausgesetzt sieht, die Spieltag für Spieltag richtig liegen. Mir war das immer ein Rätsel.
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15.06.2010
An dieser Stelle hatte ich den Winter hier als Hohn bezeichnet, Sonne und Swimming Pools gefeiert und eine diebische Freude daran gehabt, so viel südafrikanische Wärme in die Heimat zu übermitteln. Heute halte ich das für puren Übermut eines WM-Neulings. Kaum waren die Zeilen raus, wurde es Abend. Gegen 17.30 Uhr ist es hier stockduster, die Kälte breitet sich aus. Am Anfang fand ich es übertrieben, als unsere Gastgeber schon bei Sonnenschein des Tages mit Handschuhen und Schal über das Gelände stolzierten. „It’s cold!“, schrie mir Andrew, der Gärtner, tagelang entgegen, und ich hörte mich wieder und wieder sagen: „It’s not!“ Es hatte wohl etwas mit Trotz zu tun.
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14.06.2010
Ke nako! Es ist Zeit. Das Motto für Südafrika und die gesamte WM gilt jetzt für die deutsche Mannschaft. In zwei Stunden startet die Auswahl von Joachim Löw in das Turnier. In der tollen, neu geschaffenen Arena von Durban, die wir uns schon seit den frühen Morgenstunden aus allen Perspektiven zu Gemüte führen. Denn mit einer Chartermaschine sind wir Journalisten heute in aller Frühe um 5 in Pretoria nach Johannesburg aufgebrochen, um von dort nach Durban zu fliegen. Nach einer Stunde Flug und einer kleinen Mütze Schlaf hat sich Südafrika dann von einer ganz anderen Seite präsentiert: 25 Grad, schwülwarme Luft, der indische Ozean vor uns, das Moses -Mabhida-Stadion hinter uns. Hier kann man leben, denken wir uns, aber der erste Weg führt uns ins Medienzentrum zur alltäglichen Akkreditierung.
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