Schweinsteiger hat Recht
Schweinsteigers Frontalangriff hatte die Planung verändert. Auf ins argentinische Lager. 16.15 Uhr freies Training in Pretoria, vor der Haustür, danach Pressekonferenz. Das klingt gut, da winkt eine Geschichte. Das Protokoll: Bin um 16 Uhr da. Wann geht es los? Ich fühle mich dynamisch. Der argentinische Kollege lächelt mitleidig, sagt: “Vielleicht um 17 Uhr.” Vielleicht!
Der dichte Zaun um das Gelände macht sich lustig über mich. 17.20 Uhr: Einlass. Diego lässt bitten. Es folgt: Zwei-Kilometer-Marsch über das Gelände. 300 Journalisten, eingepfercht vor dem abgesperrten Stück Grün. 17.40 Uhr: Drin! Diego krakeelt ein bisschen, Messi zaubert nicht. 17.45 Uhr: Trainingsschluss. 300 Journalisten hetzen einen weiteren Kilometer zum Pressezelt. Alle Plätze belegt, keine Übersetzung, Internet funktioniert nicht, zwei argentinische Ersatzspieler parlieren auf spanisch. Ab 18.45 Uhr. Ich verstehe: nichts. Ein deutscher Kollege zitiert in einer Drei-Minuten-Frage Schweinsteigers gesammelte Argentinien-Abneigung und fragt (auf spanisch!): „Was halten sie davon?“ Der Spieler sagt in einer Drei-Sekunden-Antwort: „Wir müssen uns um uns kümmern.“ Nächste Frage. Auf spanisch. Ich verstehe: nichts. 19.30 Uhr: Schluss. Kilometerlanger Marsch zurück, 20.15 Uhr zurück im Heim. Aus der Heimat schreiben mir Freunde: „Was macht ihr eigentlich den ganzen Tag in Südafrika?“ Ich antworte: nicht.

