Der “Capitano” ist angekommen
“One Fly” - der Billigflieger, mit dem ich gerade die 1200 Kilometer zwischen Johannesburg nach Kapstadt hinter mir gelassen habe, hat ein Problem: diesen unsäglichen Namen der Fluglinie. One time - das heißt so viel wie: Mit diesem Flugzeug fliegen sie genau einmal. Das zumindest hat funktioniert, aber am Sonntagmorgen, fliege ich mit der gleichen Linie zurück nach Johannesburg - mal sehen, was daraus wird. Der Flug nach Kapstadt ging heute Morgen um 7 Uhr, zwei Stunden Flugzeit, und schon bin ich der deutschen Mannschaft, die bereits am Donnerstag in die südafrikanische “Mutterstadt” geflogen ist, wieder ganz nah.
Es hat sich ja einige Prominenz angesagt: Der “Capitano” Michael Ballack ist gestern angekommen, Kanzlerin Angela Merkel wird morgen beim Viertelfinale gegen Argentinien dabei sein. Es hat ja in den vergangenen Tagen erstaunlich viele Sympathiebekundungen aus dem deutschen Team für Merkel gegeben. Löw sprach ihr “Charme” zu, Lahm wünschte sich, “dass sie uns nach dem Spiel zum Sieg gratuliert”, und Schweinsteiger musste sich der unangenehmen Frage stellen, was ihm denn nach dem Sieg lieber sei: Der Handschlag von Merkel oder der Kuss seiner Freundin. Ja, wo sind wir denn eigentlich? Schweinsteiger zumindest sagte leicht verlegen: “Das können sie sich ja denken.” Keine weiteren Fragen. Immerhin hatte der deutsche Mittelfeldstratege eine besonders herzliche Beziehung zu Merkel aufgebaut, als er gesperrt bei der Euro 2008 ein Spiel zusammen mit der Kanzlerin von der Tribüne aus begutachtete. Nun ja, Frau Merkel wird sich in diesen schwierigen Zeiten für derart herzliche PR bedanken und euphorisch nach Südafrika fliegen. Endlich mal keine Negativschlagzeilen.
Natürlich freue ich mich, bei dieser WM mit dem deutschen Team nach Kpastadt zu kommen. Die Mutterstadt habe ich schon einmal im vergangenen Jahr zur WM-Auslosung besuchen können. Und was soll ich sagen: Diese Stadt beeindruckt mich. Sie liegt am Fuße des Tafelbergs und direkt vor der bunten Stadt erstrecken sich zwei Ozeane. Das Stadion, das man vom Tafelberg aus hervorragend einsehen kann, liegt wunderschön, dem Ozean ganz nah. Der einzige Nachteil: Als ich im Dezember dort war, hatte es 33 Grad, es war Sommer. Im Winter ist Kapstadt ziemlich verregnet, und es ist immer sehr windig dort. Aber damit werden wir leben können…
Heute Mittag besuche ich noch die Abschluss-Pressekonferenz mit Joachim Löw im Greenpoint-Stadion in Kapstadt. Abe viele offene Fragen bleiben nicht mehr: Herr Schweinsteiger hat schon für ausreichend Brisanz gesorgt, die Personalfragen scheinen geklärt: Deutschland wird gegen Maradonas Elite-Elf mit den gleichen Spielern antreten, die gegen England in Bloemfontein so bravourös ins Viertelfinale eingezogen sind. Morgen um 16 Uhr sind wir schlauer, ob der deutsche WM-Boom seine Fortsetzung findet. Die nachrichten von den großen WM-Partys in der Heimat erreichen uns hier natürlich auch. Und die Freude ist durchaus nachvollziehbar: Denn dieses deutsche Team spielt einen Fußball, auf den wir als deutsche Journalisten auch von den Gastgebern und ausländischen Journalisten oft sehr positiv angesprochen werden. So, und jetzt ab ins Hotel, das ich zuvor im Internet gebucht habe. Bis später. Ke nako - es wird Zeit. Mal wieder.

